
Wenn Gemeinschaften feststecken - Folge 9: Wenn die Verwaltung zum Blitzableiter wird
Es beginnt oft unauffällig.
Eine Offerte trifft später ein als erwartet.
Ein Beschluss wird noch nicht umgesetzt.
Eine E-Mail bleibt unbeantwortet.
Die nächste Eigentümerversammlung verläuft angespannt.
Nach und nach richtet sich die Unzufriedenheit auf eine Person oder eine Institution.
Die Verwaltung.
Plötzlich scheint sie für alles verantwortlich zu sein.
Für jede Verzögerung.
Für jede Unklarheit.
Für jeden Konflikt.
Doch ist sie tatsächlich die Ursache?
Die Verwaltung steht im Mittelpunkt
Keine andere Stelle innerhalb einer Stockwerkeigentümergemeinschaft ist so sichtbar.
Sie organisiert.
Sie lädt ein.
Sie protokolliert.
Sie informiert.
Sie setzt Beschlüsse um.
Dadurch wird sie automatisch zur ersten Ansprechpartnerin – auch dann, wenn die eigentliche Ursache ganz woanders liegt.
Erwartungen können nicht alles lösen
Eigentümer erwarten zu Recht eine professionelle Verwaltung.
Sie soll zuverlässig arbeiten.
Transparent informieren.
Beschlüsse umsetzen.
Doch selbst die beste Verwaltung kann keine Entscheidungen anstelle der Gemeinschaft treffen.
Sie kann vorbereiten.
Empfehlen.
Koordinieren.
Die Verantwortung für die Beschlüsse bleibt jedoch bei der Stockwerkeigentümergemeinschaft.
Wenn die Ursache tiefer liegt
Manche Gemeinschaften wechseln ihre Verwaltung.
Für kurze Zeit kehrt Ruhe ein.
Dann beginnen dieselben Diskussionen erneut.
Die Themen verändern sich kaum.
Nur die Namen haben gewechselt.
In solchen Situationen lohnt sich eine ehrliche Frage:
Lag das Problem wirklich bei der Verwaltung?
Oder wurde die Verwaltung zum sichtbaren Ausdruck einer Entwicklung, die bereits viel früher begonnen hat?
Wenn Erwartungen zu Enttäuschungen werden
Je grösser die Spannungen innerhalb einer Gemeinschaft werden, desto höher werden häufig auch die Erwartungen an die Verwaltung.
Sie soll vermitteln.
Konflikte lösen.
Überzeugen.
Verantwortung übernehmen.
Doch damit werden Aufgaben erwartet, die weit über eine Verwaltungstätigkeit hinausgehen.
Enttäuschungen sind dann fast unvermeidlich.
Was mir in meiner Arbeit immer wieder auffällt
Ich habe Verwaltungen erlebt, die hervorragende Arbeit geleistet haben und dennoch auf grossen Widerstand stiessen.
Und ich habe Verwaltungen erlebt, die nach einem Wechsel dieselben Schwierigkeiten übernahmen wie ihre Vorgänger.
Nicht weil sie ungeeignet waren.
Sondern weil die eigentliche Herausforderung innerhalb der Gemeinschaft lag.
Schlussgedanke
Eine Verwaltung kann vieles bewirken.
Sie kann jedoch nicht ersetzen, was nur eine Gemeinschaft selbst entwickeln kann:
Vertrauen, Verantwortung und die Bereitschaft, gemeinsam tragfähige Entscheidungen zu treffen.
Jede Stockwerkeigentümergemeinschaft hat ihre eigene Geschichte. Wer sie versteht, erkennt oft auch den Weg nach vorne.
Katharina Blattner
bächtold-liegenschaften & schreib-office GmbH
Werterhalt & Bewirtschaftung
STWEG-Prozessbegleitung
Projektführung bei anspruchsvollen Immobilienvorhaben