Wenn Gemeinschaften feststecken - Folge 8: Warum Sanierungen selten am Geld scheitern

Wenn Gemeinschaften feststecken - Folge 8: Warum Sanierungen selten am Geld scheitern

Kaum fällt in einer Stockwerkeigentümerversammlung das Wort Sanierung, dauert es meist nicht lange, bis über Geld gesprochen wird.

Zu teuer.

Zu früh.

Zu aufwendig.

Zu grosse Belastung.

Die finanziellen Auswirkungen stehen schnell im Mittelpunkt der Diskussion.

Das ist verständlich.

Und doch zeigt meine Erfahrung etwas Erstaunliches.

Geld ist oft das sichtbarste Problem – aber nicht das eigentliche

Viele Gemeinschaften verfügen bereits über:

  • eine Zustandsanalyse,
  • Kostenschätzungen,
  • Offerten,
  • einen Erneuerungsfonds,
  • Finanzierungsmöglichkeiten.

Trotzdem wird die Entscheidung immer wieder verschoben.

Nicht einmal.

Sondern über Jahre hinweg.

Deshalb stelle ich mir jeweils eine andere Frage:

Geht es wirklich um das Geld?

Hinter der Kostenfrage verbergen sich oft andere Sorgen

Eigentümer stellen berechtigte Fragen.

Muss jetzt wirklich saniert werden?

Sind alle Varianten geprüft?

Ist diese Lösung langfristig sinnvoll?

Können wir den Kostenschätzungen vertrauen?

Werden später zusätzliche Kosten entstehen?

Diese Fragen sind wichtig.

Sie zeigen jedoch häufig, dass nicht die Finanzierung das eigentliche Hindernis ist.

Sondern die Unsicherheit.

Unterschiedliche Lebenssituationen führen zu unterschiedlichen Interessen

Eine junge Familie plant anders als ein pensioniertes Ehepaar.

Ein Investor bewertet dieselbe Sanierung anders als eine Eigentümerin, die ihre Wohnung seit dreissig Jahren selbst bewohnt.

Jede Sichtweise ist nachvollziehbar.

Schwierig wird es erst dann, wenn daraus unüberwindbare Gegensätze entstehen.

Aufschieben kostet ebenfalls Geld

In Diskussionen wird häufig nur über die Kosten einer Sanierung gesprochen.

Wesentlich seltener über die Kosten des Nichtentscheidens.

Dabei sind diese oft beträchtlich.

Baukosten steigen.

Schäden vergrössern sich.

Dringlichkeit nimmt zu.

Handlungsspielräume werden kleiner.

Auch das hat seinen Preis.

Was mir in meiner Arbeit immer wieder auffällt

Ich habe selten erlebt, dass eine notwendige Sanierung ausschliesslich am fehlenden Geld gescheitert ist.

Häufiger scheitern Entscheidungen daran, dass unterschiedliche Interessen, Unsicherheiten und fehlendes Vertrauen nicht rechtzeitig angesprochen werden.

Die Diskussion dreht sich um Zahlen.

Die eigentliche Herausforderung liegt jedoch oft zwischen den Menschen.

Schlussgedanke

Sanierungen verlangen finanzielle Entscheidungen.

Noch wichtiger sind jedoch tragfähige gemeinsame Entscheidungen.

Denn erst wenn eine Gemeinschaft gemeinsam handeln kann, wird auch eine notwendige Sanierung möglich.

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Jede Stockwerkeigentümergemeinschaft hat ihre eigene Geschichte. Wer sie versteht, erkennt oft auch den Weg nach vorne.

Katharina Blattner

bächtold-liegenschaften & schreib-office GmbH

Werterhalt & Bewirtschaftung

STWEG-Prozessbegleitung

Projektführung bei anspruchsvollen Immobilienvorhaben

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