Wenn Gemeinschaften feststecken Folge 5: Wenn niemand mehr Verantwortung übernehmen will

Wenn Gemeinschaften feststecken Folge 5: Wenn niemand mehr Verantwortung übernehmen will

Es gibt einen Moment, den ich in Stockwerkeigentümergemeinschaften immer wieder beobachte.

Alle wissen, dass etwas geschehen muss.

Die Heizung ist am Ende ihrer Lebensdauer.

Das Dach muss saniert werden.

Das Reglement entspricht längst nicht mehr den heutigen Bedürfnissen.

Die Rückstellungen reichen nicht aus.

Die Probleme sind bekannt.

Und trotzdem geschieht... nichts.

Nicht, weil niemand die Situation erkennt.

Sondern weil niemand den ersten Schritt machen möchte.

Verantwortung ist unbequem

Verantwortung bedeutet, Entscheidungen mitzutragen.

Sie bedeutet auch, Kritik auszuhalten.

Gerade in Stockwerkeigentümergemeinschaften ist das nicht einfach.

Wer Verantwortung übernimmt, setzt sich dem Risiko aus, später für einen Entscheid verantwortlich gemacht zu werden.

Deshalb entsteht häufig ein anderes Verhalten.

Man wartet.

Vielleicht bewegt sich jemand anders.

Vielleicht löst die Verwaltung das Problem.

Vielleicht erledigt es sich von selbst.

Verantwortung wird delegiert

Nicht selten richtet sich der Blick auf die Verwaltung.

Sie soll Lösungen präsentieren.

Sie soll entscheiden.

Sie soll die Verantwortung übernehmen.

Dabei gerät leicht in Vergessenheit:

Eine Verwaltung kann vorbereiten.

Sie kann organisieren.

Sie kann koordinieren.

Entscheiden muss jedoch die Gemeinschaft.

Die Folgen

Je länger Verantwortung weitergegeben wird, desto grösser werden die Folgen.

Entscheidungen verzögern sich.

Sanierungen werden teurer.

Die Frustration wächst.

Das Vertrauen sinkt.

Mit jeder verschobenen Entscheidung wird der nächste Schritt schwieriger.

Was mir in meiner Arbeit immer wieder auffällt

Ich begegne selten Gemeinschaften, in denen niemand Verantwortung übernehmen möchte.

Viel häufiger treffe ich Eigentümer, die Angst haben, mit ihrer Entscheidung später alleine dazustehen.

Zwischen diesen beiden Situationen besteht ein grosser Unterschied.

Wer diese Dynamik erkennt, versteht häufig besser, weshalb eine Gemeinschaft über Jahre hinweg nicht mehr vorankommt.

Schlussgedanke

Verantwortung bedeutet nicht, immer die richtige Entscheidung zu treffen.

Verantwortung bedeutet, bereit zu sein, gemeinsam Entscheidungen zu tragen.

***

Jede Stockwerkeigentümergemeinschaft hat ihre eigene Geschichte. Wer sie versteht, erkennt oft auch den Weg nach vorne.

Katharina Blattner

bächtold-liegenschaften & schreib-office GmbH

Werterhalt | STWEG-Prozessbegleitung | Verwaltung von Stockwerkeigentümergemeinschaften

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