
Eine Stockwerkeigentümergemeinschaft muss nicht immer derselben Meinung sein.
Unterschiedliche Ansichten gehören dazu.
Sie führen häufig sogar zu besseren Entscheidungen.
Schwierig wird es erst dann, wenn die Gemeinschaft ihre Fähigkeit verliert, gemeinsam Entscheidungen zu treffen und umzusetzen.
Dieser Zustand entsteht selten von heute auf morgen.
Er entwickelt sich meist über Jahre.
In meiner Arbeit begegnen mir dabei immer wieder dieselben Anzeichen.
Erstes Anzeichen: Dieselben Themen kehren immer wieder zurück
An jeder Versammlung stehen ähnliche Traktanden auf der Liste.
Die Diskussionen verändern sich.
Die Themen bleiben.
Beschlüsse werden gefasst.
Dennoch scheint sich nichts wirklich zu bewegen.
Zweites Anzeichen: Protokolle werden wichtiger als Lösungen
Kaum ist das Protokoll verschickt, beginnen die Rückmeldungen.
Formulierungen werden beanstandet.
Aussagen werden unterschiedlich interpretiert.
Mit der Zeit beschäftigt sich die Gemeinschaft stärker mit dem Protokoll als mit der eigentlichen Lösung.
Drittes Anzeichen: Verantwortung wird weitergereicht
Jeder erkennt Schwierigkeiten.
Doch kaum jemand möchte Verantwortung übernehmen.
Die Verwaltung soll entscheiden.
Die Eigentümer erwarten Lösungen.
Arbeitsgruppen lösen sich auf.
Wichtige Aufgaben bleiben liegen.
Viertes Anzeichen: Entscheidungen werden immer wieder verschoben
Weitere Abklärungen.
Noch eine Offerte.
Noch ein Gutachten.
Noch eine Vertagung.
Was zunächst vernünftig erscheint, entwickelt sich mit der Zeit zu einem Dauerzustand.
Fünftes Anzeichen: Die Diskussion dreht sich nicht mehr um die Sache
Mit jeder Versammlung rücken Personen stärker in den Mittelpunkt.
Wer hat was gesagt?
Wer trägt die Verantwortung?
Wer hat damals zugestimmt?
Die eigentliche Fragestellung gerät zunehmend in den Hintergrund.
Handlungsunfähigkeit entsteht schleichend
Nur selten führt ein einzelnes Ereignis zu einer Blockade.
Viel häufiger entsteht sie durch viele kleine Entwicklungen.
Jede für sich genommen scheint unbedeutend.
Gemeinsam verändern sie jedoch die Dynamik innerhalb einer Gemeinschaft.
Mein Gedanke
Mich interessiert deshalb weniger der einzelne Konflikt.
Mich interessiert, wie eine Gemeinschaft an diesen Punkt gelangt ist.
Denn erst wenn die Entwicklung verstanden wird, lassen sich Lösungen finden, die von der Gemeinschaft mitgetragen werden.
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Jede Stockwerkeigentümergemeinschaft hat ihre eigene Geschichte. Wer sie versteht, erkennt oft auch den Weg nach vorne.