Wenn Gemeinschaften feststecken - Folge 10: Die gefährlichste Aussage in einer STWEG: «Das besprechen wir später.»

Wenn Gemeinschaften feststecken - Folge 10: Die gefährlichste Aussage in einer STWEG: «Das besprechen wir später.»

Es ist nur ein kurzer Satz.

Fast beiläufig ausgesprochen.

«Das besprechen wir später.»

Niemand meint es böse.

Niemand möchte einen Konflikt provozieren.

Niemand möchte eine vorschnelle Entscheidung treffen.

Im Gegenteil.

Die Verschiebung erscheint vernünftig.

Doch genau hier beginnt häufig eine Entwicklung, die eine Stockwerkeigentümergemeinschaft über Jahre hinweg lähmen kann.

Verschieben ist manchmal richtig

Nicht jede Vertagung ist falsch.

Manchmal fehlen wichtige Informationen.

Vielleicht braucht es eine zweite Offerte.

Oder eine technische Abklärung.

Sorgfältige Entscheidungen brauchen Zeit.

Problematisch wird es erst dann, wenn aus einer einmaligen Verschiebung ein dauerhaftes Muster wird.

Die Traktanden ändern sich kaum

Wer Protokolle über mehrere Jahre hinweg liest, entdeckt oft Erstaunliches.

Dieselben Themen erscheinen immer wieder.

Die Heizungsanlage.

Die Dachsanierung.

Die Reglementsänderung.

Die Rückstellungen.

Die Nutzung gemeinsamer Räume.

Die Formulierungen ändern sich.

Die Traktanden bleiben.

Das eigentliche Problem wächst im Hintergrund

Während die Diskussion vertagt wird, entwickelt sich die Liegenschaft weiter.

Bauteile altern.

Schäden nehmen zu.

Gesetzliche Anforderungen verändern sich.

Kosten steigen.

Die Zeit arbeitet nicht für die Gemeinschaft.

Sie arbeitet gegen sie.

Warum verschieben einfacher erscheint

Eine Entscheidung verlangt Verantwortung.

Eine Vertagung schafft kurzfristig Ruhe.

Niemand muss Stellung beziehen.

Niemand muss sich festlegen.

Doch jede vertagte Entscheidung verschiebt die Verantwortung lediglich auf einen späteren Zeitpunkt.

Was mir in meiner Arbeit immer wieder auffällt

Ich begegne kaum Gemeinschaften, die an einer einzigen falschen Entscheidung gescheitert sind.

Viel häufiger erlebe ich Gemeinschaften, die über Jahre hinweg notwendige Entscheidungen immer wieder aufgeschoben haben.

Nicht aus mangelndem Wissen.

Sondern weil der richtige Zeitpunkt scheinbar nie gekommen ist.

Schlussgedanke

Nicht jede Entscheidung muss sofort getroffen werden.

Doch jede Gemeinschaft sollte sich bewusst sein, dass auch das Verschieben eine Entscheidung ist.

Mit allen Folgen, die daraus entstehen.

***

Jede Stockwerkeigentümergemeinschaft hat ihre eigene Geschichte. Wer sie versteht, erkennt oft auch den Weg nach vorne.

Katharina Blattner

bächtold-liegenschaften & schreib-office GmbH

Werterhalt & Bewirtschaftung

STWEG-Prozessbegleitung

Projektführung bei anspruchsvollen Immobilienvorhaben

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