Wenn Gemeinschaften feststecken - Folge 1: Warum der Wechsel der Verwaltung viele STWEG-Probleme nicht löst

Wenn Gemeinschaften feststecken - Folge 1: Warum der Wechsel der Verwaltung viele STWEG-Probleme nicht löst

Die Hoffnung ist gross.

Nach Jahren mit Spannungen entscheidet sich eine Stockwerkeigentümergemeinschaft für einen Wechsel der Verwaltung.

Endlich soll Ruhe einkehren.

Endlich sollen die Beschlüsse umgesetzt werden.

Endlich soll wieder Vertrauen entstehen.

Mit der neuen Verwaltung verbindet sich oft die Hoffnung auf einen Neuanfang.

Wenige Monate später zeigt sich jedoch manchmal ein überraschendes Bild.

Die Verwaltung ist neu.

Die Diskussionen sind dieselben.

Beschlüsse werden erneut hinterfragt.

Protokolle lösen wieder Debatten aus.

Sanierungen kommen nicht voran.

Die Namen haben gewechselt.

Die Dynamik innerhalb der Gemeinschaft nicht.

Was dabei häufig übersehen wird

Eine Verwaltung organisiert.

Sie informiert.

Sie koordiniert.

Sie setzt die Beschlüsse der Gemeinschaft um.

Sie kann jedoch nicht verhindern, dass innerhalb einer Stockwerkeigentümergemeinschaft über Jahre gewachsene Spannungen bestehen bleiben.

Wenn Vertrauen verloren gegangen ist, Verantwortlichkeiten unklar geworden sind oder sich Eigentümer in ihren Positionen festgefahren haben, übernimmt eine neue Verwaltung diese Ausgangslage mit.

Nicht selten entsteht dadurch eine grosse Enttäuschung.

Die Erwartungen an die neue Verwaltung waren hoch.

Die eigentlichen Ursachen der Blockade wurden jedoch nie betrachtet.

Der Verwaltungswechsel ist selten die Ursache

In meiner Arbeit begegnen mir immer wieder Gemeinschaften, in denen bereits mehrere Verwaltungen tätig waren.

Jede Verwaltung begann mit grossem Engagement.

Und dennoch kehrten dieselben Schwierigkeiten zurück.

Nicht weil die Verwaltungen ihre Arbeit schlecht gemacht hätten.

Sondern weil die Gemeinschaft ihre Handlungsfähigkeit verloren hatte.

Der Blick hinter die sichtbaren Probleme

Wenn sich dieselben Diskussionen über Jahre wiederholen, lohnt sich eine andere Betrachtungsweise.

Nicht:

"Welche Verwaltung ist die richtige?"

Sondern:

"Welche Entwicklung hat dazu geführt, dass diese Gemeinschaft heute dort steht, wo sie steht?"

Erst wenn diese Frage beantwortet ist, können tragfähige Lösungen entstehen.

Mein Gedanke

Ich beginne deshalb nie mit der Frage, wer Recht hat oder wer einen Fehler gemacht hat.

Mich interessiert zuerst die Geschichte einer Gemeinschaft. 

Denn jede Stockwerkeigentümergemeinschaft entwickelt im Laufe der Jahre ihre eigene Dynamik.

Wer diese Dynamik versteht, erkennt häufig Zusammenhänge, die auf den ersten Blick verborgen bleiben.

Erst dann lässt sich entscheiden, welche Unterstützung eine Gemeinschaft tatsächlich braucht – eine Prozessbegleitung, eine Neuorganisation oder eine langfristige Verwaltung.

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